Musikverleger Hinrichsen kehren zurück

Neu gegründete Edition zieht in den Familiensitz in der Leipziger Talstraße 

Es gibt auch gute Nachrichten für Leipzigs Kultur. Diese hat sich mit dem Bachfest auch noch einen perfekten Zeitpunkt ausgesucht: Die Musikverleger Hinrichsen kehren an ihren früheren Stammsitz in Leipzig zurück. Wie das Unternehmen gestern mitteilte, wird die neu gegründete Edition Hinrichsen GmbH in die frühere – inzwischen sanierte und umgebaute – Immobilie an der Talstraße 10 einziehen. In dem 1874 erbauten Haus hatte die Familie bis zum 2. Weltkrieg gearbeitet. „Der Name Hinrichsen ist eng mit Leipzig verbunden“, sagte deren Geschäftsführer Nicholas Riddle laut der Mitteilung. Sein Unternehmen will selbst verlegen, aber auch Standorte in London und New York unterstützen. Offiziell eröffnet werden soll der neue Firmensitz am 18. September. Hinrichsen ist seit 1863 Herausgeber der weltweit renommierten Musikkatalog-Edition Peters.  Das Unternehmen wurde im Zweiten Weltkrieg vom Naziregime enteignet. Henri Hinrichsen sowie 14 seiner jüdischen Familienmitglieder wurden verhaftet. 1942 kam Hinrichsen in Auschwitz um. Zwei seiner Söhne konnten noch emigrieren und gründeten 1938 in London die Hinrichsen Edition Ltd. und 1948 in New York die C.F. Peters Corporation. In Deutschland siedelte der Verlag nach dem Krieg nach Frankfurt/Main über, das Leipziger Stammhaus wurde ein Volkseigener Betrieb. 1993 wurde das Haus an die Rechtsnachfolger der enteigneten Eigentümer zurückgegeben.Nach Informationen der Leipziger Volkszeitung sollen die Firmensitze in Frankfurt, London und New York erhalten bleiben. In Leipzig sollen demnach zunächst drei Mitarbeiter beschäftigt, dann soll das Personal weiter aufgestockt werden. „Das sind sehr spannende Nachrichten für Leipzig“, freut sich Kulturbürgermeister Georg Girardet. „Schön, dass sich die Familie trotz der schrecklichen Ereignisse der Vergangenheit auf ihre Leipziger Wurzeln besinnt.“An die erinnert auch Irene Lawford-Hinrichsen, Tochter des Gründers des Londoner Unternehmens Peters: „Es hätte meinen verstorbenen Großvater Henri Hinrichsen, meinen Vater Max und meinen Onkel Walter Hinrichsen mit Stolz und großer Freude erfüllt, dass ihr Familienname nach Leipzig zurückkehrt.“ In der Messestadt wurden einst die Werke der größten zeitgenössischen Komponisten verlegt, darunter J.S. Bach, Brahms, Mahler, Mendelssohn, Schönberg, Schubert, Schumann, Wagner und Richard Strauss.                                                                       dpa/jkl