Erste Suite, zweite Heimat und drei gute Freunde

Serie zum neuen LVZ-Buch „Leipziger Köpfe“ – heute im dritten Teil: Komponist Edvard Grieg

 

 „Leipziger Köpfe – Hundert Berühmtheiten auf der Spur“ heißt das neue Leipzig-Buch der LVZ. In einer Serie stellen wir es Ihnen in Auszügen vor. Teil drei dreht sich um den Komponisten Edvard Grieg. 

In einer Dachwohnung des Musikverlages C.F. Peters brachte Edvard Grieg 1888 die erste Peer-Gynt-Suite zu Papier. Noch im selben Jahr erlebte das bis heute populärste Werk des norwegischen Nationalkomponisten im Gewandhaus seine Uraufführung. Leipzig war für Grieg zur zweiten Heimat geworden. Besonders das reiche Musikleben der Stadt zog ihn an – und ließ ihn sein Leben lang nicht mehr los.

1858 war das Talent nach Leipzig gekommen. Der 15-jährige studierte Klavier und Komposition am Konservatorium, das Felix Mendelssohn Bartholdy wenige Jahre zuvor gegründet hatte. Hier bestand die Möglichkeit, sich von ausgezeichneten Lehrern wie Ignaz Moscheles, Louis Plaídy, Ernst Ferdinand Wenzel oder Carl Reinicke ausbilden zu lassen. Letzterer stieg bald zum Gewandhauskapellmeister auf. Grieg bot noch als Student seine frühen Kompositionen dem Musikverleger Max Abraham an. Der Leiter des C.F. Peters-Verlages erkannte die ungewöhnliche Begabung und druckte die Musikstücke des jungen Mannes.

Auch in späteren Jahren nutze Grieg bei seinen Konzertreisen durch Europa jede Möglichkeit, in Leipzig längere Aufenthalte einzulegen. Manchmal dauerten sie ein halbes Jahr. So lernte Grieg auch Johannes Brahms und Peter Tschaikowski kennen. Weilte der Norweger in der Messestadt, konnte er sich der Gastfreundschaft seines Verlegers sicher sein. Bei Max Abraham stand immer eine Wohnung für Edvard Grieg und seine Frau Nina Hagerup bereit. Grieg musste sich um nichts kümmern. Sein Herausgeber besorgte Karten für Opernaufführungen und Konzerte, oder  er organisierte Zusammenkünfte mit Komponisten und Interpreten. Er lud Grieg zur ersten Gesamtaufführung von Richard Wagners „Ring“ nach Bayreuth ein und übernahm das Management seiner Konzertauftritte in den europäischen Musikmetropolen.

Zwischen Max Abraham, dessen Nachfolger Henri Hinrichsen und Edvard Grieg entwickelte sich eine feste, lebenslange Freundschaft. Und so war es auch nicht verwunderlich, dass der norwegische Nationalkomponist 1889 einen Vertrag schloss, der dem Leipziger Musikverlag C.F. Peters das alleinige Recht der Publikation seiner Werke zusicherte.

                                                                                            Claudius Markov

 

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Schau-Plätze: Originale Schönheit

Das eindrucksvolle Gebäude des Musikverlages Peters ist in der Talstraße 10 zu finden. Max Abraham ließ es vom Architekten Otto Brückwald, dem Baumeister des Bayreuther Festspielhauses, errichten. 2005 eröffnete hier die Edvard-Grieg – Gedenk- und Begegnungsstätte mit Ausstellung und Musiksalon. Auch der Grieg-Verein und die Deutsch-Norwegische Gesellschaft treffen sich in den aufwändig sanierten Räumlichkeiten. Die Holztäfelung ist noch in originaler Schönheit erhalten, die Tapete stammt stilecht aus England.                                                                                                                       r.