Mit Klassik auf die Welterbeliste

Unesco-Initiative will mit Komponistenhäusern punkten/ Studenten erarbeiten Konzept 

Klassik-Liebhaber finden in Leipzig authentische Orte, an denen weltbekannte Komponisten gelebt und gearbeitet haben. Häuser wie das Mendelssohn-Haus, die Wirkungsstätte Schumanns, oder das Grieg-Haus sind aber so bedeutend, dass sie auf die Unesco-Weltkulturerbeliste gehören. Das meinen Statistik-Professor Werner Schneider und der ehemalige Schulrat Rainer Manertz, die eine Unesco-Initiative gegründet haben. Ihr Ziel: Mit der Musik als geistige Klammer soll Leipzig bekannter in der Welt werden. Zum Auftakt wird im Frühjahr 2009 das Projekt „Notenspur“ starten. Wer Lust hat, kann dann auf diesem markierten Rundgang einen Streifzug durch 300 Jahre Musikgeschichte unternehmen.„Zweimal in seiner Geschichte stand Leipzig im Mittelpunkt des weltbesten Musiklebens. In der Barockzeit mit Bach und Telemann, während der Romantik mit Mendelssohn und Schumann, Lortzing und Wagner“, konstatiert Schneider. Aber auch im 20. Jahrhundert gab es berühmte Komponisten wie Edvard Grieg, Gustav Mahler, Leos Janacek, Max Reger und Hanns Eisler, die hier wohnten und arbeiteten. Durch glückliche Umstände blieben einige ihrer Wirkungsstätten erhalten. Das betrifft die historischen Wohn- und Arbeitsräume von Mendelssohn, Grieg und Schumann, in denen die besondere Atmosphäre der berühmten „musikalischen Salons“ noch zu spüren sei. Schneider: „Die ist einmalig in Deutschland und wird international allenfalls von Wien übertroffen.“ In Thomaskirche und Nikolaikirche hingegen ist der Geist Bachs allgegenwärtig – auch sie müssen einbezogen werden, wenngleich die originale Bach-Wohnung nicht mehr existiert. „Wir haben bereits Kontakt mit Unesco Deutschland aufgenommen. Dort hat man uns ermuntert, die Bewerbung voranzutreiben“, so Manertz. Ihm schwebt eine Verbindung von Person, Werk und Gebäudeensemble vor – wie bei den Luther-Welterbestätten Eisleben und Wittenberg.Ideelle Unterstützung kommt von Kulturbürgermeister Georg Girardet: „Die Initiative ist sehr begrüßenswert, auch für die Reputation unserer Stadt.“ Die Verwaltung selbst habe aber momentan keine Kapazität, um eine Bewerbung voranzutreiben. „Wir unterstützen die Initiatoren, so weit es geht, damit sie uns ein Konzept vorlegen.“Zu diesem Zweck haben diese bereits ein Kooperationsprojekt mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus vereinbart. Dort gibt es einen Studiengang World Heritage Studies (Welterbestudien), der einen qualifizierten Unesco-Antrag für Leipzig erarbeiten wird. Die Baugeschichte und denkmalpflegerische Aspekte werden beleuchtet sowie Managementpläne zu Erhalt und Nutzung der originalen Musikstätten erstellt. Schneider: „Die Kollegen sind froh, nicht nur Trockenübungen mit ihren Studenten machen zu müssen.“Dennoch sollte die Stadt Leipzig stärker in die Vorbereitungen eingebunden werden, da diese Antragsteller ist. „Eine eindeutige Aussage gibt es bisher nicht“, bedauert Manertz. Er hält einen Koordinierungsausschuss im Kulturdezernat, Stadträten und den beteiligten Institutionen für nötig, um diverse Aktionen zu bündeln. Bekenne sich Leipzig zu der Idee, müsste im Rathaus ab 2009 eine Stelle geschaffen werden sowie ein förmlicher Antrag an die Kultusministerkonferenz der Länder gestellt werden. „Schon die Ankündigung, dass Leipzig sich bemüht, auf die Welterbeliste zu kommen, wird touristisch einen enormen Aufschwung bringen“, ist sich Schneider sicher. „Es macht deutlich, in welcher Liga wir eigentlich spielen.     Mathias Orbeck 

 

Hintergrund:

 

Relevante Unesco-Programme für die Musikstadt Leipzig- „World Heritage“ (Weltkulturerbe sowie Weltnaturerbe; Konvention von 1972). In die Liste können außergewöhnliche Kulturdenkmäler der Architektur oder Großplastik aufgenommen werden. Für die Musikstadt Leipzig kommen in Frage: Komponistenhäuser, Thomaskirche, Nikolaikirche, Alte Nikolaischule, Coffe Baum.- „Memory of the world“ („Gedächtnis der Menschheit“/ Weltdokumentenerbe von 1992). Das st ein 1992 gegründetes Programm zum Erhalt des dokumentarischen Erbes der Menschheit.Aufgenommen werden können wertvolle Buchbestände, Handschriften, Partituren, Unikate, Bild-, Ton- und Filmdokumente. Die Dokumente müssen von weltweiter Bedeutung wie etwa die Bach-Autographen sein. Vertreten sind beispielsweise die Gutenberg-Bibel oder die Partitur der 9. Sinfonie von Beethoven.- „Diversity of Cultural Expressions“ (Kulturelle Vielfalt von 2005) mit dem Unterprogramm Creatvie Cities Network. Aufgenommen werden als „City of Music“ können Städte, die anerkannte Zentren musikalischer Kreativität und Schaffenskraft sind, breite Erfahrungen mit Musikfestivals haben, über Musikschulen, Konservatorien, Chöre, Orchester verfügen sowie internationale Foren zur Musikpflege und Kulturzentren für Musik aufweisen.                                                      M.O.

Bildunterschrift: Eindrucksvoll: die Edvard Grieg-Gedenkstätte. Das Haus in der Talstraße 10 gehört als eines der authentischen Komponistenhäuser in Leipzig zum Weltkulturerbe, meinen Werner Schneider und Rainer Manertz (von links).   Foto: Andre Kempner