Amarcord

Männerchor light 

Männerchor – oh welche Lust. Unweigerlich werden Erinnerungen an voll tönende Gesänge aus einigen Dutzend mehr oder minder zünftigen Kehlen wach. Am Sonntagabend dagegen sang im Großen Saale der Leipziger Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ beim Männerchor-Konzert nur das Ensemble Amarcord.Es steht also nur eine Handvoll Sänger auf der Bühne  und präsentiert handverlesene Männerchorkultur: a-capella-Sätze von Grieg, Mendelssohn und Schumann. Dabei kommt die Programmauswahl nicht von ungefähr, wie die Grieg-Expertin Hella Brock in ihrer liebenswürdigen Ansprache erklärt. Schließlich setzt dieses Konzert den Schlusspunkt unter die Veranstaltungsreihe „Grieg in Leipzig“ und gedenkt damit des 100. Todestages des norwegischen Wahl-Leipzigers. Mit Mendelssohn wird der Namensgeber der Hochschule gewürdigt, und Schumann schließlich wurde von Grieg hoch verehrt.Die vier Lieder aus dem „Album für Mandssang“ Opus 30 Edvard Griegs sind kinderfröhlich oder voll leiser Wehmut und bezaubern vor allem mit der hierzulande ungewohnten Klangschönheit der norwegischen Sprache. Die Männerchorlieder aus Schumanns op. 33 sowie aus Mendelssohns op. 50 klingen bei den Amarcordlern fernab gegrölter Bierseligkeit in fein ziselierter Phrasierung, werden mit Witz und Gefühl interpretiert und lassen Raum für zarte Nachklänge. Das Piano in Mendelssohns Dauerbrenner „Jägerabschied“ ist hier schlichtweg zum Niederknien.Amarcord singt seit dieser Saison wieder zu fünft in der Besetzung Wolfram und Martin Lattke (beide Tenor), Frank Ozimek (Bariton) sowie Daniel Knauft und Holger Krause (beide Bass). Sonst ist alles beim Alten. Und das heißt bei ihnen nicht weniger als fünf himmlische Einzelstimmen, die in lupenreiner Intonation mit atemberaubender Dynamik zu beglückender Homogenität verschmelzen.Das Publikum im anständig besetzten Saal genießt hingebungsvoll, applaudiert kräftig und wird mit Griegs „Seht den Knut“ als Zugabe belohnt. Männerchor á la amarcord – oh welche Lust.                                                           Elisabeth Schwarze