Verlagshaus von C.F. Peters restauriert

Stammhaus überstellt Archiv nach Leipzig 

Noch ist es meistens still in der Talstraße 10. Doch das dürfte sich bald ändern. Schließlich ist die Restaurierung des 1874 eingeweihten Gebäudes, in dem lange einer der bekanntesten Musikverlage der Welt residierte, gerade abgeschlossen worden. „Es fehlen nur noch die Büsten von Bach, Beethoven und Mozart, die einst in der Eingangshalle zu bewundern waren“, sagt Mustafa Kamal Abdel Aziz. „Die lassen wir jetzt in Absprache mit dem Denkmalschutz nachbilden. Dann sieht wieder alles so aus wie zu Zeiten von C. F. Peters.Aziz ist ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt aus Wiesbaden. Er hatte das Gelände im Graphischen Viertel vor zehn Jahren von Erben der Verlegerfamilie Hinrichsen gekauft. Als Kind sei er oft in Leipzig zur Messe gewesen. Sein Vater arbeitete als Kulturrat für Ägyptens Botschaft in Ost-Berlin. „Deshalb wusste ich, was Leipzig als Kulturstadt bedeutet. Und wollte mich einbringen.“Stück für Stück ließ der heute 54-Jährige die vier früheren Petersgebäude sanieren. Erst die Goldschmidtstraße 24 und 26, den flachen Anbau Lindenstraße 7 und schließlich den eigentlichen Verlagssitz in der Talstraße 10, der in den Neunzigerjahren beinahe abgerissen worden wäre. „Dort waren die Schäden am schlimmsten, das Dach kaputt, zwei Decken durchgebrochen und betreten verboten. Deshalb haben wir die Talstraße bis zum Schluss aufgehoben“, sagt er. Rund 1,5 Millionen Euro hat die Rettung des dreigeschossigen Gebäudes gekostet, das Verleger Max Abraham durch keinen Geringeren als Otto Brückwald (Architekt des Fstspielhauses Bayreuth) entwerfen ließ. Abraham wünschte ein „Geschäftshaus des großen Stils“, das sich C.F. Peters aufgrund der weltweiten Exporterfolge der grünen Notenreihe Edition Peters leisten konnte. Norbert Molkenbur hat ein 330 Seiten starkes Buch über die Geschichte des Unternehmens geschrieben, das durch Naziherrschaft und Kalten Krieg auf vier Standorte in Leipzig, Frankfurt, London und New York aufgesplittet wurde, heute aber wieder vereint ist. „Die Sanierung ist großartig gelungen. Selbst alte gusseiserne Heizungen oder Jugendstilfliesen in den Toiletten blieben erhalten“, lobt Molkenbur, der ab 1983 Direktor des VEB Edition Peters Musikverlag Leipzig und damit Hausherr in der Talstraße 10 war.Als Mitglied des Vereins Gedenk- und Begegnungsstätte Edvard Grieg, der im ersten Stock eine Ausstellung unterhält, ist Molkenbur häufig vor Ort. Leider habe sich sein größter Wunsch, C.F. Peters möge an den angestammten Firmensitz zurückkehren, nicht erfüllt. „Die meisten Räume werden als Wohnungen vermietet. Allerdings hat Frankfurt kürzlich sein Archiv dauerhaft nach Leipzig überstellt.“ Es sei ein gutes Zeichen, dass die heutige Peters-Mannschaft im Leipziger Haus des Buches nun sämtliche Archive des Verlages betreut. Was die Stille angeht – am 10. und 11. März feiert die Grieg-Gedenkstätte die Anschaffung eines kostbaren Flügels mit mehreren Konzerten.                                           Jens Rommetsch

EDVARD GRIEG 

In der Talstraße 10 komponierte Edvard Grieg seine berühmte 1. Peer-Gynt-Suite, wie dieses Schild am Eingang des Hauses verrät. Norwegens bedeutendster Komponist studierte in Leipzig Klavier und Komposition. Seine Werke fielen Max Abraham, damals Verlagschef von C.F. Peters, auf. Er und sein Nachfolger Henri Hinrichsen banden Grieg an den Verlag, stellten ihm von 1876 bis zu seinem Tod im September 1907 Räume im dritten Stock zur Verfügung.                                                                       jr